 |
Sie befinden sich: Statistikberatung - Statistiktipps - Äquivalenztests
Statistikberatung - Statistiktipps: Äquivalenz-Tests
Der Nachweis der Gleichheit von Eigenschaften zweier Gruppen ist
gar nicht so selten Gegenstand einer Forschungsarbeit: So soll
z.B. gezeigt werden, dass eine kostengünstigere Therapie
genauso gut ist wie eine kostenintensive, oder dass sich ein
bestimmtes physiologisches Merkmal in zwei Gruppen nicht
unterscheidet. Am häufigsten ist vielleicht die Bioäquivalenzprüfung
bei Arzneimitteln. Hier wird untersucht, ob sich z.B. die durch
eine Fläche charakterisierten Zeitkurven des Blutgehaltes von
zwei verschiedenen Verabreichungsformen eines Arzneimittels nicht
unterscheiden.
Das meist anzutreffende Vorgehen:"Der t-Test (oder auch
c2-Test,
Mann-Whitney-U-Test usw.) liefert keinen signifikanten
Unterschied, also sind die Gruppen bzgl. des untersuchten Merkmals
gleich" greift zu kurz. Ein solches Ergebnis ist zwar ein
Anhaltspunkt, aber kein Nachweis. Denn es handelt sich um
Signifikanztests, mit denen die Ablehnung der - die Gleichheit
besagende - Nullhypothese nachgewiesen wird, nicht deren Annahme.
Insbesondere dann, wenn das Hauptziel eines Projektes im Nachweis
einer Äquivalenz besteht, sind die entsprechenden Tests
angebracht: die Äquivalenztests. Wie auch bei den Tests zum
Nachweis von Unterschieden gibt es bei den Äquivalenztests je
nach der untersuchten Größe (z.B. Mittelwerte, Verhältnisse,
Varianzen) entsprechende Vorgehensweisen.
Ausgangspunkt eines Äquivalenztests ist das Auffassen der Äquivalenz
als Differenz mit der Größe 0 im Idealfall. Im Falle
realer Daten wird ein um 0 liegender Differenzbereich festgelegt,
innerhalb dessen sich zwei Merkmale höchstens unterscheiden dürfen.
(Bemerkung: Ähnlich des Differenzbereiches kann man auch ein
Verhältnisbereich verwenden, der um 1 liegen soll.) Die Wahl
der Differenz hängt erstens von der Fragestellung ab: Geht es
z.B. ganz banal um Schuhgrößen zweier Gruppen, die äquivalent
sein sollen, so dürfen sich die Fußgrößen um
weniger unterscheiden als die Unterschiede zweier benachbarter
Schuhgrößen. - Zweitens beeinflusst die Streuung des
Merkmals die Wahl der Maximaldifferenz; meist wird der
Differenzbereich relativ zur Standardabweichung vorgegeben.
Entsprechend kann man auch den Quotienten zweier Größen verwenden:
dann ist ein Verhältnis=1 Ausdruck der Äquivalenz. Eine Anwendung
der Nachweis der Äquivalenz der diagnostischen Güte zweier diagnostischer Tests:
Die Äquivalenz von Sensitivität und/oder Spezifität wird über die Ratios rTPF
(Verhältnis der "true positive fractions" TPF, TPF=Sensitivität) und rFPF
(Verhältnis der "false postive fractions" FPF, FPF=1-Spezifität).
Nach der Festlegung des Differenzbereiches gibt es zwei
Herangehensweisen. Zum einen werden - wie von den o.g. Tests her
bekannt - Null- und Alternativhypothesen aufgestellt, nur dass sie
umgekehrt formuliert werden, und dass es zwei Nullhypothesen gibt:
Die Nullhypothesen besagen, dass die Differenz der Merkmale
unterhalb bzw. oberhalb des Differenzbereiches liegt. Die
Alternativhypothese nimmt dagegen die Lage der Differenz innerhalb
des Bereiches an. Werden beide Nullhypothesen mit einer
vorgegebenen Irrtumswahrscheinlichkeit a
abgelehnt, gilt die Äquivalenz als nachgewiesen.
Die andere Herangehensweise benutzt (1-2*a)-Vertrauensbereiche
(Konfidenzintervalle). Für die Daten wird der
Vertrauensbereich der Differenz der Gruppen bzgl. des Merkmals
ermittelt. Liegt der Vertrauensbereich vollständig im
vorgegebenen Differenzbereich, so ist die Äquivalenz
nachgewiesen. Folgende Abbildung zeigt das Vorgehen:
Zum Schluss sei das Vorgehen beim Nachweis der Äquivalenz
der Mittelwerte X und Y zweier Gruppen mit der gleichen
Standardabweichung s und den Stichprobenumfängen N1 und N2
angegeben. Zunächst wird der Differenzbereich festgelegt, der
von -D bis +D reichen soll. Dann wird das (1-2a)-Konfidenzintervall
nach der Formel
KIunten, oben = X-Y ± t1-a,
N1+N2-2·s·Wurzel(1/N1+1/N2)
berechnet. Die Größe t (Quantile der zentralen
t-Verteilung) entnimmt man der Tabelle eines Statistikbuches oder
verwendet die MS-EXCEL-Funktion TINV. Wenn gilt
-D < KIunten < KIoben < +D
ist die Äquivalenz nachgewiesen.
Literatur: Rasch et al. (1998): Verfahrensbibliothek, Band
II, S. 686 ff., R. Oldenbourg Verlag München Wien
Pepe MS (2003): The Statistical Evaluation of Medical Tests for Classification and Prediction. Oxford University Press 2003
Hier Tools zum Nachweis der Äquivalenz
zweier Mittelwerte, sowie zur Berechnung der Konfidenzintervalle von rTPF und rFPF.
|